Wann lohnt sich das Freiwasserangeln?

Pauschal würde ich sagen, das Freiwasserangeln lohnt sich immer, denn es ist permanent mit kapitalen Räubern zu rechnen!

 

Die Fische im Freiwasser geben Ihre Deckung auf, was erst ab einer bestimmten Größe unriskant ist. Erfahrungsgemäß werden deshalb sehr wenige Hechte oder Zander unter 80 Zentimeter im Freiwasser gefangen. Die pelagische Lebensweise hat einen großen Vorteil: Die Fische sind da, wo das Kraftfutter vorhanden ist. Das sind Schwärme von Maränen, Stinten, Rotaugen, Barschen und Brachsen. Diese werden ständig begleitet und bei Bedarf wird ein kleiner Snack genommen. Fatalerweise mischen sich auch immer wieder unsere Kunstköder unter die Schwärme.

Zander pelagisch-vertikal geangelt im Schweriner See

Im Jahr gibt es gute und schlechte Zeiten zum gezielten Freiwasserangeln, die ich anhand der folgenden Grafik (aus http://www.schaalsee.de/inhalte/download/Vortrag-Mathes-NXPowerLite.pdf) erläutern möchte. Auf dieser Grafik sind die Tiefenprofile des Rethwiesentiefs, der tiefsten Stelle des Schaalsees an der Grenze zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein, über verschiedene Zeitpunkte des Jahres, abgebildet. Besonders interessant sind die rote (Temperatur) und blaue Kurve (Sauerstoff). Denn unseren Zielfische werden sich immer an den Plätzen aufhalten, an denen für Sie hinsichtlich der genannten Parameter die besten Bedingungen herschen. Denn dort hält sich auch das Futter auf.

 

Tiefenprofil von Sauerstoff und Temperatur im Schaalsee. Guiding am besten zwischen Mai und Oktober

Im März hat das Wasser überall 4 Grad Celsius und der Sauerstoff ist über die Wassersäule gleichverteilt. So ist keine Aufenthaltspräferenz abzuleiten. Die Fische können also überall sein. Tendenziell stehen die Fische eher tief und sind dort entsprechend schwer zu beangeln. Oder sie befinden außerhalb des Freiwassers in flacheren Strukturen um Ihrem Laichgeschäft nachzugehen.

 

Zwei Monate später sieht die Welt anders aus. Im Mai hat sich das Wasser auf bis zu 15 Grad erwärmt und die Ausbildung einer Sprungschicht in 11 Meter Tiefe hat begonnen. Das ist eindeutig am starken Temperaturgradienten im oberflächlichen Bereich und dem lokalen Minimum der Sauerstoffkurve zu erkennen. Im Laufe der nächsten Monate stabilisiert sich die Sprungschicht und bildet sich schließlich vollständig aus. Der Gradient der Temperaturkurve wird immer steiler. Die Sprungschicht wird von den pelagischen Räubern als Deckung genutzt und die kapitalen Räuber stellen sich ab Mai so langsam im Freiwasser ein. Da der Sauerstoff bis in den Juli hinein immer noch ziemlich uniform im Wasserkörper verteilt ist, kann die Tiefe der Fische immer noch sehr stark variieren.

 

Die Sprungschicht ist wie ein Deckel, der die oberen Wasserschichten von den Unteren abtrennt. Sie kann durch den Wind zu einer Seite kippen (schiefe Ebene). Auf der Wind zugewandten Seite kann die Sprungschicht z.B. ohne Weiteres bei 14m liegen, während sie im Lee nur bis 9 Meter ragt. Das kann auch immer wieder sehr schön auf dem Echolot beobachtet werden.

 

Im unteren Wasserteil wird durch Zersetzungsprozesse Sauerstoff verbraucht, während für das Plankton kein notwendiges Licht zur Sauerstoffproduktion durch die Sprungschicht scheint. Es setzt Sauerstoffzehrung ein. Da die Schichten nicht miteinander interagieren können, nimmt der Sauerstoff nun mit der Zeit kontinuierlich ab. Das ist von August bis Oktober sehr schön zu beobachten. Dementsprechend wird das vitale Volumen, in dem genug Sauerstoff zum Leben vorhanden ist, für Räuber und Beute immer kleiner. Somit wird es für uns Angler immer leichter die Fische zu finden.

 

Die Temperatur nimmt stetig weiter ab, aber die Sprungschicht bleibt erhalten. Mit den ersten stärkeren Herbststümen kommt es dann zur Vollzirkulation. Die Sprungschicht und die ungleichmäßige Verteilung von Temperatur und Sauerstoff heben sich auf. Die Situation konvergiert mit dem einziehenden Winter gegen die Abbildung des Märzes.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass im Schaalsee die Monate von August-Oktober am besten zum gezielten Freiwasserangeln sind. Der einfache Grund ist die leichtere Lokalisierung der Fische aufgrund der Volumeneinschränkungen, welche aufgrund des nachlassenden Sauerstoffsgehaltes eintreten. Dieses Ergebniss lässt sich leicht mit minimaler Variation auf alle geschichteten Seen übertragen. Hier noch ein paar Fakten zum Freiwasserfischen:

  • Je später das Jahr, desto flacher die Fische.
  • Je trüber das Wetter/Wasser, desto flacher stehen die Fische.
  • Ab 10-11 Meter Wassertiefe explodieren die Zander aufgrund des schnellen Druckunterschiedes im Drill innerlich.
  • Morgens und Abends sind die Fische flacher, als über den Tag. Man kann sogar Maränen "rauben" sehen. Das liegt an der Vertikalbewegung des Planktons aufgrund der Lichtintensität.

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