Digitale Vorbereitungen

Vor jeder Angeltour ist im Vorhinein eine optimal Vorbereitung wegen der Sicherheit und auch wegen des Fangerfolges nötig. Dafür sind unsere digitalen Medien perfekt geeignet. Im Folgenden werde ich Ihnen meinen typischen Planungsprozess schildern.

 

Limitierend für eine erfolgreiche Ausfahrt ist an erster Stelle der Wind. Boote der Kategorie C  (Küstenbereich) sind bis Windstärke 6 und 2 Meter hohe Wellen ausgelegt. In windgeschützten Bereichen ist jedoch auch problemlos das Angeln bei Sturm oder Orkan möglich, denn der Fetch (die Wirklänge des Windes) bestimmt die signifikante Wellenhöhe. Meine Standardapp ist windfinder. Ich habe eine favorisierte Stationsliste und bekomme in Sekundenschnelle einen Überblick über die derzeitige Situation. Das mache ich mehrfach täglich und gehe die möglichen Optionen für den nächsten freien Angeltag durch. Die Vorhersage trifft oft sehr gut zu. Je weiter der Zeitpunkt in der Zukunft liegt, desto ungenauer wird die Prognose. Auf Werte für Übermorgen kann man sich in aller Regel verlassen. Einen sehr schönen Gesamtüberblick erhält man in der Pro-Version oder auf der Webseite unter dem Punkt Wetterkarte. Das globale Vektorfeld des Windes kann dort studiert werden. Auf dem Beispiel-Screenshot sieht man sehr deutlich das Tief Jonas, welches in den USA Ende Januar für einen heftigen Blizzard gesorgt hat. Zusätzlich schaue ich mir bei windy das dazugehörige lokale Vektorfeld an, um zu sehen wie sich die Windrichtung tatsächlich am Angelplatz verhält. Einen sehr kompakten zweidimensionalen Überblick bietet windguru.

2 Sturmtiefs rollen auf Europa zu. Wetterkarte bei windfinder. Angeln unmöglich

Für gewisse Küstenstationen wird zusätzlich die Welle bei windfinder mit angezeigt. Wir bekommen Informationen über die Höhe, Richtung und Frequenz. Bei Wellenhöhen größer als 1 Meter ist für mich Schluss. Es wird zwischen zwei verschiedenen Wellensystemen, welche sich beide überlagern, unterscheiden. Zum einen gibt es die hochfrequente "raue" Windsee, die durch den örtlichen Wind verursacht wird. Bei der niederfrequenten Dünung sprechen wir von Wellen, die durch ein weit entferntes Windfeld erzeugt werden. Diese können am Beobachtungsort erheblich von der Richtung des lokalen Windes abweichen. Je höher die Frequenz, desto rauer ist die See mit spitzen steilen Wellen. Die Welle wird auch maßgeblich von der Strömung beeinflusst. Sind Wellen- und Strömungsrichtung entgegengesetzt, so muss mit einer hohen und steilen Welle gerechnet werden. Die Strömung ist auch für die Wahl der Angelstelle essentiell. Ich schaue Sie auf der der Seite des BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie) nach. Dort kann ich ebenfalls die Wassertemperatur und im Winter, wie leider gerade jetzt von Nöten, auch den Eislagebericht ansehen.

Natürlich informiere ich mich immer vorher über örtlichen Gegebenheiten mit der Seekarte. Dafür nutze ich die navionics App um mein Echolot nicht extra herausholen zu müssen. Sie ist übrigens auch ein Backup falls die Technik an Bord ausfallen sollte. Alternativ kann ich auch im Internet auf der zugehörigen Seite auf Tiefendaten zurückgreifen. Sofern ich im Binnenbereich unterwegs bin, taugen die Karten nichts. Meine erste Option ist die Erstellung einer eigenen Tiefenkarte mit reefmaster. Das ist der legitime Nachfolger von Dr. Depth. Habe ich keine Daten sondern nur Bildmaterial (LAV MV, Foto von Wegweiser), verfügbar, so kann ich immerhin noch mit einer GPS-Overlay App ziemlich ungenau (+-50 Meter) meine Position auf dem Wasser bestimmen. Das ist aber besser als nichts, aber die Einstellung ist hochkompliziert und bedingt einer ständigen Nachjustierung.

In fließenden Gewässern ist maßgeblich der Wasserstand entscheidend. Hier informiere ich mich bei elwis (Elektronische Wasserinformationssystem). In der Elbe interessiert mich auch zusätzlich die Trübung. Diese  korreliert mit dem Wasserstand, dem Gebietsniederschlag, der Wassertemperatur und der Sonneneinstrahlung. Neben der Trübung kann eine Vielzahl weiterer hydrologischer Parameter bei undine nachlesen werden.

 

Mit allen hilfreichen Informationen haben wir noch keinen Fisch gefangen. Aber in 5 Minuten haben wir unsere Ausgangslage maßgeblich verbessert. Ich wünsche viel Erfolg beim Ausprobieren der einzelnen Platformen.

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